Campus Biel
Campus Biel/Bienne: Wenn Rhythmus und System den Holzbau auf Kurs halten
Auf dem Bieler Feldschlössli-Areal entsteht mit dem neuen Campus ein Grossprojekt mit beachtlichem Holzbauvolumen. Die Künzli Davos AG realisiert die anspruchsvollen Holzbauarbeiten und setzt dabei auf die integrierten Lösungen der IMMER AG: Dank der engen Verknüpfung von Verbindungstechnik, Logistik und Service greifen Materialflüsse und Bauabläufe präzise ineinander.
Auf der Baustelle des künftigen Campus Biel/Bienne ist die Dimension des Projekts schon von weitem sichtbar. Zwischen Kranen, Tragwerk, Beton und Holz wächst ein Gebäude, das künftig die beiden BFH-Departemente «Technik und Informatik» sowie «Architektur, Holz und Bau» an einem zentralen Standort zusammenführt. Für die Künzli Davos AG ist das Projekt nicht nur aufgrund seiner Grösse anspruchsvoll, sondern auch wegen der engen Taktung, der begrenzten Platzverhältnisse und der Vielzahl wiederkehrender Anschlussdetails.
Hier zeigt sich, worauf es im modernen Holzbau bei Grossprojekten ankommt: technische Lösungen, die wiederholbar funktionieren, planbare Abläufe und Material, das punktgenau verfügbar ist. «Bei einem Projekt dieser Grössenordnung geht es nicht nur darum, Produkte zu liefern», sagt Marco Röthlisberger, Leiter Fachteam Holzbau bei der IMMER AG. Entscheidend sei, dass Verbindungstechnik, Logistik und Service so zusammenspielen, dass der Baufortschritt nicht ins Stocken gerät.
Campus Biel
Der neue Campus der Berner Fachhochschule (BFH) entsteht südwestlich des Bahnhofs Biel auf dem ehemaligen Feldschlössli-Areal. Das rund 400 Millionen Franken schwere Grossprojekt konzentriert künftig die beiden technischen Departemente «Technik und Informatik» sowie «Architektur, Holz und Bau» an einem gemeinsamen Standort. Das architektonische Konzept sieht einen fünfstöckigen Mantelbau mit drei verbundenen Gebäudekörpern sowie zusätzlichen Bauten in den Innenhöfen vor. Für die oberirdische Tragstruktur werden insgesamt 14’670 Kubikmeter Holz verbaut.
Der Weg bis zum Baustart war von zwei wesentlichen Faktoren geprägt:
- Rechtliche Verzögerung: Ein langwieriges Enteignungsverfahren um eine Schlüsselparzelle führte im Herbst 2021 zu einem Urteil des Bundesgerichts. Der daraus resultierende Rechtsstreit warf den ursprünglichen Zeitplan um mehrere Jahre zurück und machte eine Neuausschreibung des Projekts erforderlich.
- Archäologische Funde: Bevor der Hochbau beginnen konnte, verzögerten grossflächige Rettungsgrabungen den Ablauf. Archäologen legten in der Baugrube die rund 5800 Jahre alten Überreste einer jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung frei und sicherten über 1300 historische Bauhölzer.
Nach Abschluss der Vorarbeiten und dem Start der intensiven Rohbauphase Anfang 2025 wurde am
6. Mai 2025 der offizielle Grundstein für das Bildungszentrum gelegt. Die offizielle Inbetriebnahme des neuen BFH-Campus ist gemäss aktuellem Planungsstand für 2028 vorgesehen.
Weiterführende Informationen zum Projekt sind hier zu finden.
Wiederkehrende Details, sicherer Baufortschritt
Ein Schwerpunkt der Holzbauarbeiten liegt bei den Tragwerksverbindungen. Verbaut werden laut Benedikt Zürcher, Bauleiter Holzobjektbau bei der Künzli Davos AG, vor allem Holz-Beton-Verbundanschlüsse mit eingeklebten Armierungseisen sowie Einhängeverbinder. Da viele Anschlüsse sehr ähnlich ausgeführt werden, wurde bewusst auf standardisierte Lösungen gesetzt. «Durch diese Vereinheitlichung lassen sich Planung, Produktion und Montage deutlich effizienter organisieren», erklärt er. Die Wiederholung identischer Details reduziere ausserdem die Fehleranfälligkeit und erhöhe die Ausführungssicherheit.
Marco Röthlisberger betont genau diese Serienmässigkeit als zentralen Punkt. In Biel zeigt sich das unter anderem beim Einsatz des Alumega-Verbinders von Rothoblaas, der zusammen mit einer Vielzahl von Konstruktionsschrauben in grossen Mengen geliefert wurde. «Der Alumega ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich durch eine standardisierte Verbindung ein gleichbleibendes Ergebnis erzielen und der Baufortschritt optimieren lässt», sagt er. Je nach Montageweise verschwindet der Verbinder später vollständig im Bauteil.
Aus Sicht von Künzli Davos bringt der Alumega-Verbinder mehrere Vorteile in den Bauablauf. Dank des integrierten Langlochs lassen sich Bautoleranzen flexibel ausgleichen, was die Montage deutlich beschleunigt. Da die Träger von unten eingefahren werden können, entfallen zusätzliche Ausfräsungen sowie das spätere Schliessen dieser Stellen. Das wirkt sich positiv auf die Ausführungsqualität aus.
Eine Deckenkonstruktion, die den Takt unterstützt
Auch die Deckenkonstruktion ist auf einen effizienten Baufortschritt ausgelegt. Sie ist als Holz-Beton-Verbunddecke ausgeführt. Auf die Holzträger mit Dichtband werden Fertigbetonelemente aufgelegt, anschliessend folgt der Überbeton. Zusammen mit den in die Träger eingeklebten Armierungseisen entsteht der Holz-Beton-Verbund.
Marco Röthlisberger sieht darin die ideale Lösung für ein Grossprojekt mit klaren Etappen: «Der schlanke Verbund ist nach drei bis vier Tagen betretbar und nach rund zehn Tagen komplett ausgehärtet.» Die genaue Abstimmung der Betonplatte ermöglicht einen fast nahtlosen Übergang zum nächsten Stockwerk. «Das steigert die Prozessgeschwindigkeit und -sicherheit erheblich.»
und Marco Röthlisberger (links) sowie Ansicht der montierten Kassettendecke von unten (rechts).
Benedikt Zürcher verweist auf die klaren Schnittstellen zwischen den Gewerken. Das Tragwerk entsteht im Holzbau, die Deckenkonstruktion wird anschliessend im Massivbau fertiggestellt. «Durch die abgestimmten Arbeitsschritte kann das Gebäude gleichmässig Geschoss für Geschoss wachsen», erklärt er. Diese Taktung erlaubt es, alle zwei Wochen pro Baublock ein neues Stockwerk fertigzustellen. Zudem sei das Holztragwerk nach dem Aufrichten innerhalb kürzester Zeit dauerhaft vor Witterung geschützt.
Zeitgewinn bei jedem Kranhub
Neben der Befestigungstechnik spielte beim Aufrichten auch das Lasthebesystem Rampa Typ X eine wichtige Rolle. Künzli Davos setzt das System überall dort ein, wo es das Bauteilgewicht zulässt – insbesondere bei Stützen und Trägern. Der grosse Vorteil: Die Hebemittel können bereits in der Produktion in die Bauteile integriert werden. Auf der Baustelle entfällt dadurch das zeitaufwendige Anschlagen mit Gurten.
Lasthebesystem Rampa Typ X
Beim Campus Biel/Bienne kommt die neue Generation des Lasthebesystems Rampa Typ X zum Einsatz. Gegenüber der bisherigen Lösung wurde der Lasthaken technisch verfeinert. Eine zusätzliche Sicherung mit Splint verhindert, dass das Verriegelungssystem unbeabsichtigt ausgelöst wird. Gleichzeitig zeigt ein optisches Kontrollsystem an, ob der Lasthaken korrekt eingerastet ist.
Die Vorbereitung der Kranzüge beginnt bereits in der Planung und Produktion: Mittels CAD lassen sich die Lastschwerpunkte berechnen und die passenden Hebepunkte in den einzelnen Elementen einzeichnen, sodass die Muffenlöcher direkt auf der Abbundanlage gebohrt werden können. Vor Ort ist das System sofort einsatzbereit und garantiert ein sicheres und effizientes Versetzen der Bauteile.
«Das System vereinfacht den Montageprozess deutlich», sagt Benedikt Zürcher. Besonders bei vielen täglichen Kranzügen mache sich bemerkbar, dass sich die Bauteile schneller aufnehmen, heben und präzise positionieren lassen. Aus Sicht von Marco Röthlisberger liegt hier der Schlüssel zur optimierten Montage: «Der Einsatz ist für mich eines der stärksten Beispiele in diesem Projekt», sagt er. Bei täglich bis zu 80 Kranzügen summiere sich ein Zeitgewinn von wenigen Minuten pro Hub rasch zu einem relevanten Faktor im Bauprogramm.
Wenn pro Kranhub wenige Minuten eingespart werden, entsteht bei hunderten Bewegungen pro Tag ein relevanter Zeitgewinn.
Logistik als unverzichtbare Voraussetzung
Mehr noch als die Qualität der einzelnen Komponenten unterstreicht das Grossprojekt die zentrale Bedeutung einer durchdachten Baustellenlogistik. Je weiter der Bau fortschreitet, desto knapper wird der verfügbare Platz. Gleichzeitig müssen grosse Mengen an Bauteilen, Verbindungsmitteln, Verbrauchsmaterial und Geräten genau dann bereitstehen, wenn sie benötigt werden.
«Je grösser der Bau wird, desto weniger Platz ist vorhanden und umso entscheidender wird das Thema Baustellenlogistik», sagt Marco Röthlisberger. Auf Grossbaustellen gehe es darum, dass sich nur Materialien auf dem Areal befinden, die im jeweiligen Moment zwingend erforderlich sind. So lassen sich Verlust, Beschädigung, Diebstahl und unnötige Lagerung unterbinden.
Angesichts grosser Materialmengen und enger Platzverhältnisse erfordert die Baustelle von Künzli Davos logistische Präzisionsarbeit. Ein 500 Meter entferntes Zwischenlager fungiert dabei als strategische Drehscheibe: Materialien werden vorab beim Lieferanten gelagert, nach Bedarf dorthin überführt und erst kurz vor dem Einbau angeliefert. «Diese vorausschauende Planung garantiert, dass alles termingerecht bereitsteht», erklärt Benedikt Zürcher. ausserdem lasse sich so flexibel auf Taktanpassungen reagieren.
Container, Sperrlager und Nachlieferung im Zusammenspiel
Ergänzt wird das Konzept durch den IMMER Baucontainer direkt auf dem Areal, der die Wege verkürzt und Material sofort griffbereit hält. Für die Montage der vorgefertigten Bauteile dient zudem ein separates Sperrlager bei der IMMER AG in Uetendorf mit Verbindungsmitteln. «Der Baucontainer stellt die direkte Versorgung mit Verbrauchsmaterial sicher, während das Sperrlager als übergeordneter Puffer fungiert», erklärt Benedikt Zürcher.
Auf der Grossbaustelle ist nicht möglichst viel Material vor Ort entscheidend, sondern das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt.
Der Montageleiter überwacht die Bestände und löst den Nachschub bedarfsgerecht aus. Da die Lieferung zeitnah erfolgt, lässt sich die Logistikkette ohne grosse Lagerbestände vor Ort aufrechterhalten. Dies vermeidet unnötige Wartezeiten für die Montageteams und garantiert einen reibungslosen Baufortschritt.
Schulungen und Geräteverfügbarkeit als Teil der Prozesssicherheit
Auch die Vormontage folgt dieser Logik. Aufgrund der grossen Materialmengen erfolgt ein Teil der Vorproduktion extern: Die Bauteile werden an mehreren Standorten paketweise nach Bauetappen vorbereitet. Massgeschneiderte Schulungen der IMMER AG haben dabei die fachgerechte Verarbeitung der Verbindungsmittel an allen Produktionsstätten sichergestellt. Auf der Baustelle müssen die Elemente anschliessend nur noch zusammengefügt werden.
Marco Röthlisberger sieht darin einen entscheidenden Erfolgsfaktor: «Grossprojekte wie dieses erfordern auch die Fähigkeit, das nötige Fachwissen gezielt zu vermitteln.» Das sichert den Produktionsprozess und gewährleistet, dass standardisierte Lösungen an allen Produktions- und Montageorten mit gleichbleibender Qualität umgesetzt werden.
Benedikt Zürcher betont die Vorteile der Paketlogik vor allem mit Blick auf die Entlastung auf der Baustelle: Durch die werkseitige Vormontage zu funktionalen Einheiten sinkt der Arbeitsaufwand. «Die paketweise Bereitstellung verbessert die Übersicht, da jeweils nur das aktuell benötigte Material vor Ort ist», erklärt er. Zudem erlaube diese schrittweise Zuteilung eine gezielte Verteilung auf den einzelnen Geschossen, wo Platzverhältnisse und Traglasten begrenzt sind.
Ergänzend zur Materiallogistik spielt auch die Verfügbarkeit von Maschinen eine Rolle. Im Zuge einer Flottenumstellung wurde Künzli Davos mit Milwaukee Poolgeräten ausgerüstet, die im Baucontainer bereitstehen. Fällt eine Maschine im Einsatz aus, kann direkt auf ein Ersatzgerät zurückgegriffen werden. «Das vermeidet Unterbrüche und hält den Bauablauf auf Kurs», erklärt Benedikt Zürcher. Betroffene Maschinen werden im Reparatur- und Servicecenter der IMMER AG wieder instand gesetzt und auf die Baustelle zurückgebracht.
Partnerschaft, die sich auszahlt
Benedikt Zürcher beschreibt die Zusammenarbeit mit der IMMER AG als eingespielten Prozess: «Nachbestellungen und der Austausch defekter Geräte werden effizient abgewickelt.» Bereits bei technischen Detailfragen oder der Koordination der Verbindungsmittel greift die Unterstützung des Partners. «Die Kooperation in diesem Projekt erlebe ich als sehr partnerschaftlich», betont er. Bei Herausforderungen suche man gemeinsam nach Lösungen, die sowohl für Künzli Davos als ausführendes Unternehmen als auch für den Projekterfolg insgesamt sinnvoll seien.
Damit wird der Campus Biel/Bienne zum Referenzobjekt für modernen Holzbau im grossen Massstab: Er demonstriert das Zusammenspiel von durchdachter Verbindungstechnik, präziser Logistik, und einem begleitenden Service, der die Montageprozesse verlässlich absichert.
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